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Grande Buenos Aires (Le Havre-Freetown)

Am 29. August am Morgen haben wir den Hafenagent von Grimaldi kontaktiert und uns den Weg zum Schiff erklären lassen. Denn leider hatten wir nur einen Hafenplan von Antwerpen..... Er hat es uns einigermassen gut erklärt. Den Hafen Port Sud haben wir jedenfalls gefunden. Das mit dem Quai Bougainville wurde dann schon etwas schwieriger. Man ist dann ein wenig im Hafen umhergeirrt. Aber schlussendlich haben wir dann einen hilfsbereiten Hafenarbeiter gefunden, der einem eine prima Skizze auf ein Blatt Papier gekritzelt hat. Damit war dann eine Punktlandung kein Problem mehr. Abends um acht konnten wir dann aufs Schiff und unsere Kabine beziehen. Wir hatten uns extra etwas Proviant mitgenommen. War aber voll unnötig. Denn schon bald wurden wir in die Offiziersmesse geführt, wo schon das umfangreiche, leckere Abenessen aufgefahren wurde. Der Proviant ist dann im Kühlschrank in der Kabine verschwunden.....

Der Empfang auf dem Schiff war überaus freundlich und herzlich. Das Auto konnten wir erst um zehn Uhr auf das Schiff fahren. Und da wir Deppen zuerst nur das Handgepäck und die teuren Teile in die Kabine gebracht hatten kam dann das grosse Schleppen. An und für sich kein Problem. Es hätte ja einen Lift. Aber der hatte zu dem Zeitpunkt keine Lust mehr zu arbeiten. Ist halt nicht "Made in Switzerland"........ So hatten wir das fettverbrennende Vergnügen, den Gerümpel von Deck 3 auf Deck 12 hochzutragen. Aber alles, was dich nicht umbringt macht dich STÄRKER.........

Am nächsten Morgen haben wir das Morgenessen mal locker verschlafen. Macht aber nichts um 12 Uhr wird ja schon ein üppiges Mittagessen serviert. Ist kein Kreuzfahrtschiff aber auch hier hat es einen Steward, der einem jeden Wunsch von den Augen abliest. Am Abend gab es ein Hammer-Barbecue, sie haben wohl eine ganze Kuh geschlachtet. Wenn das so weitergeht, wird sich Beat's Sixpackbauch wohl noch etwas gedulden müssen......

Beim Barbecue haben wir schon erste Enblicke in das "Seemannsleben" erhalten. Nicht ganz der einfachste Job. Die Mannschaft ist, von einigen Landgängen abgesehen, 6 Monate ununterbrochen auf dem Schiff. Dann für ca. 3 Monate nach Hause und wieder alles von vorne. Und wir "Verwöhnten" beklagen uns über 5 Tage-Wochen mit 8-9 Stunden Arbeitszeit pro Tag.....

Die Mannschaft besteht hauptsächlich aus Italienern und Indern. Es hat noch 5 weitere Passagiere auf dem Schiff. Ein Engländer und 4 Deutsche älterem Jahrgangs. Wir sind ihnen wohl nicht sehr symphatisch, man hat noch nicht viele Worte miteinander gesprochen. Kommt vielleicht noch, wenn nicht, ist's auch egal. Dann baut man halt die Englisch-, Italienisch- und Indischkenntnisse mit der Mannschaft aus.......

Die voraussichtlichen Anlauf-Häfen sind Bilbao, Casablanca (Marokko), Dakar (Senegal), 3 Häfen in Brasilien, ev. Montevideo (Uruguay) und dann Buenos Aires. So wies aussieht dauerts noch ein bisserl bis Argentinien......

Am 31. August 2005 am Nachmittag sind wir in Bilbao eingelaufen und dort bis am 1. September geblieben. Sie haben wie blöde Container auf- und abgeladen. Am nächsten Morgen sind wir an Land gegangen. Man meldet sich beim Chief-Officer ab und spaziert einfach vom Schiff, weicht den Möchtegern-Schumis in den Trucks aus, und fragt vorne an der Schranke nach einem Taxi. Dann sind wir zu einem Internet-Café gefahren und haben endlich unsere Seite aktualisieren können. In Frankreich sind die Internet-Cafés eher schwer zu finden und wenn, kennen sie noch kein USB.

Nach einem kurzen Spaziergang durch Bilbao haben wir uns dann dos "cafe con leche" und dos "zumo de naranja" gegönnt. Die Preise sind um einiges humaner als in Frankreich, deshalb beschlossen wir, uns gleich noch mit Zigaretten einzudecken. Prinzipiell eine dumme Entscheidung, den auf dem Schiff kostet die Stange 15 Euros......

Auf dem Schiff braucht man sozusagen kein Geld. Zum Mittagessen und Abendessen gibt es leckeren italienischen Wein, schlecht schmeckendes argentinisches Wasser und vorzüglichen Kaffee. Und alles gratis. Bis jetzt haben wir 6 Euro für Wasser ausgegen um den Kühlschrank in unserer Kabine zu füllen, da wir festgestellt haben, dass es gekühlt viel besser schmeckt.

Unser Zeitvertreib besteht darin, uns mit verhinderten Olympiasieger im Tischtennis zu messen. Bis Buenos Aires hoffen wir, dass die Niederlagen nicht mehr ganz so vernichtend sind! Man hat ja genug Zeit zu trainieren. Ansonsten lernen wir Spanisch, holen uns wieder einmal dümmlich einen Sonnenbrand. Schinden uns im schiffseigenen kleinen Fitnessstudio und ziehen uns die eine oder andere DVD rein.

Am 4. September geht es dann mit beachtlichen 35 km/h weiter nach Dakar Senegal.

Am 7. September am Mittag sind wir im Hafen von Dakar eingelaufen. Die Temperatur war mörderische 38°C. und die Luftfeuchtigkeit betrug in etwa der einer finnischen Sauna. Jedenfalls ist die Wasserflasche unser ständiger Begleiter. Das was man trinkt, läuft direkt wieder zu den Poren raus.

Kaum hatten wir im Hafen angelegt, "stürmten" die Hafenarbeiter das Schiff. Es wurden Fahrzeuge mit wildem Gehupe vom Schiff gefahren, Container nicht ganz auf die sanfte Art abgeladen. Das Erstaundliche ist, dass es irgenwie funktioniert. In welchem Zustand die Ware dann beim Endverbraucher ankommt, ist die andere Frage.

Vor Dakar haben wir die ersten Delphine gesehen, die nicht in ein Aquarium gesperrt waren. Es waren so an die fünfzehn Stück die neben dem Schiff wilde Luftsprünge vorgeführt haben. Und zwar bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir den Fotoapparat aus der Kabine geholt hatten. Dann sind sie wie auf Kommando verschwunden...

Die anderen Passagiere sind schon etwas aufgetaut, jedenfalls 2 von Ihnen.
Die 2 alleinreisenden Deutschen aus Bonn, deren Frauen nach Buenos Aires nachfliegen, da das Schiff ausgebucht ist. Sie sind mit zwei grossen Wohnmobilen unterwegs und wollen durch Süd-, Mittelamerika bis Alaska fahren.

Der nächste Hafen ist Bayoul in Gambia.

Den haben wir am 8. September am Mittag erreicht. Der erste Hafen mit dem Prädikat "jöööö wie härzig". Die "Grande Buenos Aires" ist in etwa gleich lang wie die Anlegestelle. Und vorallem für grosse Schiffe hat es gerade mal eine. In diesem Hafen wurden ca. 9 Stunden Neu-, Gebraucht- und "gerade noch schiebbare"-Wagen ausgeladen. Die Fahrzeuge wurden von der Crew aus dem Schiff gefahren. Es kamen keine gambischen Fahrer auf das Schiff, was das Einbruchrisiko an den Wohnmobilen auf ein Minimum reduzierte. Es wurden auch ca. 20 Land-Rover für die gambische Polizei ausgeladen.

Heute hat es seit über zehn Tagen wieder einmal geregnet, was eine richtige Wohltat war. Am Nachmittag wurden wir dann alle gebeten, unsere Womis umzuparkieren. Da hatten wir dann die Gelegeheit zu beobachten wie mit Neuwagen umgegangen wird. Naja, ob da überhaupt einer einen Führerschein hat? Und wenn, war es wohl Voraussetzung, einen Bleifuss zu haben und die Kupplung schleifen zu lassen, bis es stinkt.........

Am Abend brach dann das absolute Chaos auf dem Pier aus. Da haben die Schwarzafrikaner mal wieder gezeigt, dass sie mit praktischem Denken und effizientem Arbeiten nicht wirklich viel am Hut haben. Soll jetzt nicht arrogant oder rassistisch sein, aber die haben ja komplett einen am Sender!!!!! Da werden hunderte von Fahrzeugen vom Schiff gefahren. Und es stehen eine Unmenge von Hafenarbeitern herum, die die Fahrzeuge wegfahren könnten. KÖNNTEN!!! Aus nicht nachvollziehbaren Gründen tun sies aber nicht. Die Fahrzeuge werden wild auf dem Pier und der Brücke parkiert und dazwischen zirkeln sich die Lastwagenfahrer und Stablerfahrer mit ca. 10 cm/min mit den Container durch. Dazwischen fährt mal wieder einer in einem Auto vor und überlegt es sich sehr genau wo er den völlig im Weg stehen würde. Und genau dort stellt er dann seine Karre auch hin! Dann geht mal für 10 Minuten gar nix mehr. Dann merkt der Fahrer, dass er seine Rostlaube wohl doch umparkieren sollte. Tut dies auch, aber mit Garantie an die zweitdümmste Stelle. Dann geht es wieder 10 Minuten und so weiter und so weiter........
War mit ein Grund, dass das Schiff ca. 30 Stunden im Hafen geblieben ist.

Für die Weiterfahrt nach Freetown muss die Flut abgewartet werden, da das Meer vor Bayoul nicht allzu tief ist.

In Freetown (Sierra Leone) sind wir am 11. September am Morgen angekommen. Wir wollten eigentlich an Land, aber der unverschämte Zollbeamte wollte 30 Dollar pro Person für das "Landing Visa". Da haben wir ihm ein schönes Leben gewünscht und sind zurück auf das Schiff. Als weisser Tourist hat man wohl eine Leuchtschrift "Hier kommt Geld" auf der Stirn.........

Abends um sechs sind wir bereits wieder ausgelaufen.

 

Da gehts rein......

 

die beindruckende Laderampe der Grande Buenos Aires

 

Innenkabine mit Bad

 

Guete Morge, mini Öigli si no chliiii.......

 

Die erste Rettungsübung haben wir schon hinter uns. Hoffen es bleibt bei Übungen. Die Rettungsboote und Rettungsinseln machen wenigstens einen guten Eindruck.

 

Hafen von Bilbao

 

Grosse Mosche von Casablanca (Marokko)

 

Bonzeninsel vor Dakar

 

Schrottschiffe im Hafen von Dakar

 

Neuwagen in Dakar

 

Panorama Hafen Dakar, Senegal

 

Bayoul, Gambia

 

Entladen in Gambia, am Nachmittag, noch ohne Chaos.....

 

Die gambische Polizei weiss was gut ist

 

Panorama Freetown

 

romantische Abendstimmung auf dem Schiff........

 

auf gehts Richtung Brasilien

 

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